Geschäftsideen
Teil von Wie lassen sich veröffentlichte Gründungsberichte sinnvoll auswerten?
Heliateks Kurskorrektur von der Materialforschung zur eigenen Fertigung
Heliatek-CEO van Tartwijk nennt den Wechsel zur eigenen Massenfertigung die wichtigste Entscheidung. KfW-Fragen helfen, Eigenfertigung oder Zukauf zu prüfen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Heliatek startete 2006 als Forschungsspin-off und konzentrierte sich zunächst auf organische Materialien für Solarfolien.
- CEO Guido van Tartwijk nennt im KfW-Interview vom 30. Juni 2022 den Wechsel zur eigenen Massenproduktion als wichtigste Entscheidung der Unternehmensgeschichte.
- Die Make-or-Buy-Frage lässt sich mit Fragen aus dem KfW-Businessplan systematisch für das eigene Vorhaben durcharbeiten.
- Der genaue Zeitpunkt des Kurswechsels und unabhängige Belege für seinen wirtschaftlichen Erfolg nennt die Quelle nicht.
Ausgangslage: Forschung statt Fertigung
Heliatek entstand 2006 als Ausgründung aus einer Kooperation der TU Dresden und der Universität Ulm. Das Firmenprofil im KfW-Beitrag führt als Gründer Prof. Dr. Karl Leo, Dr. Martin Pfeiffer, Dr. Bert Männig, Dr. Jens Drechsler und Prof. Dr. Peter Bäuerle auf. Guido van Tartwijk kam erst 2018 als CEO zum Unternehmen.
Anfangs stand die Erfindung und Entwicklung organischer Materialien im Mittelpunkt. Van Tartwijk erklärt im Interview, die Annahme sei gewesen, andere Unternehmen würden mit der Zeit die Fertigungskapazitäten für die Herstellung aufbauen. Diese Arbeitsteilung zwischen Forschung und Produktion beschreibt er rückblickend als ursprünglichen Plan.
Die wichtigste Entscheidung laut CEO
Auf die Frage nach der wichtigsten Entscheidung seit der Gründung antwortet van Tartwijk: Ursprünglich habe sich Heliatek auf die Erfindung und Entwicklung der organischen Materialien konzentriert, in der Annahme, dass andere Unternehmen die Fertigungskapazitäten entwickeln würden. Die wichtigste Entscheidung sei gewesen, nicht darauf zu warten, sondern selbst als Hersteller organischer Solarmodule kommerziell tätig zu werden und eine Massenproduktionsanlage aufzubauen.
Das Interview gibt keinen Zeitpunkt für diesen Kurswechsel an. Es beschreibt lediglich eine rückblickende Bewertung. Ebenso wenig enthält es unabhängige Belege dafür, dass die Eigenfertigung wirtschaftlich erfolgreicher war als ein möglicher Zukauf.
Eigenfertigung oder Zukauf: Ein praktisches Entscheidungsblatt
Die Heliatek-Aussage ist ein Fallbeispiel, kein übertragbares Erfolgsrezept. Die Make-or-Buy-Frage lässt sich mit eigenen Kriterien bearbeiten. Der KfW-Businessplan fragt unter Produktions- und Dienstleistungsfaktoren unter anderem, welche Teilleistungen bei Lieferanten eingekauft werden können.
Das folgende Arbeitsblatt stellt fünf Prüffragen gegenüber. Die Antworten sind unternehmensspezifisch und ersetzen keine externe Beratung.
| Prüfkriterium | Frage für die Eigenfertigung | Frage für den Zukauf |
|---|---|---|
| Fähigkeiten | Welche Verfahren beherrschen wir bereits? | Welche Qualitätssicherung braucht der Lieferant? |
| Lieferanten | Gibt es überhaupt geeignete externe Hersteller? | Wie abhängig wären wir von einem Anbieter? |
| Kapitalbedarf | Welche Investitionen in Anlagen sind nötig? | Welche Einkaufspreise und Mindestmengen gelten? |
| Einrichtungen | Welche Maschinen und Flächen benötigen wir? | Welche Zertifizierungen muss der Partner haben? |
| Abhängigkeiten | Wie schnell können wir Prozesse ändern? | Wie reagieren wir bei Lieferausfällen? |
Die Fragen in der Tabelle sind eigene redaktionelle Überlegungen. Sie sind keine Aussagen des Heliatek-CEOs und keine Vorgaben der KfW. Der Businessplan nennt lediglich die allgemeine Frage nach einkaufbaren Teilleistungen.
KfW-Businessplan als nächster Schritt
Wer die Make-or-Buy-Frage für das eigene Vorhaben systematisch klären will, findet im KfW-Geschäftskonzept konkrete Anhaltspunkte. Die Fragen dort lauten unter anderem: "Welche Materialien, Maschinen, Einrichtungen brauchen Sie zur Herstellung Ihres Produktes bzw. zur Bereitstellung Ihrer Dienstleistung?" und "Welche Teilleistungen können Sie bei Lieferanten einkaufen?"
Der Businessplan ist ein Planungsinstrument, keine Finanzierungszusage. Er hilft, eigene Annahmen schriftlich zu prüfen. Die Antworten sind je nach Branche, Produkt und Kapitalausstattung verschieden.
Übertragung auf die eigene Planung
Heliateks Kurskorrektur zeigt einen Wechsel von einer reinen Materialentwicklung hin zu einem vollständigen Herstellerbetrieb. Ein solcher Schritt verändert Kapitalbedarf, Personal und Risikoprofil. Ob er sinnvoll ist, hängt von der Verfügbarkeit externer Fertigungspartner, eigenen Prozesskompetenzen und den Kosten beider Optionen ab.
Der Fall eignet sich als Ausgangspunkt für eine eigene Make-or-Buy-Analyse. Die publizierte Begründung des CEOs ist eine Selbstauskunft mit Eigeninteresse. Für die eigene Planung sind belastbare Angebote, technische Machbarkeitsprüfungen und eine realistische Liquiditätsrechnung nötig.
Häufige Fragen
Was genau beschreibt der CEO als Kurskorrektur? Guido van Tartwijk sagt im KfW-Interview, Heliatek habe nicht mehr auf externe Fertigungskapazitäten gewartet, sondern selbst als Hersteller organischer Solarmodule eine Massenproduktionsanlage aufgebaut. Das Interview nennt keinen Zeitpunkt und keine unabhängigen Erfolgsbelege.
Kann ich die Heliatek-Entscheidung direkt als Blaupause nutzen? Nein. Die Aussage ist eine retrospektive Selbstauskunft eines einzelnen Unternehmens. Sie eignet sich als Anlass, die Make-or-Buy-Frage im eigenen Businessplan zu bearbeiten, nicht als Beweis für die Überlegenheit der Eigenfertigung.
Welche konkreten Fragen helfen mir bei der Entscheidung? Der KfW-Businessplan fragt nach benötigten Materialien, Maschinen und Einrichtungen sowie nach einkaufbaren Teilleistungen. Eigene Prüfkriterien wie Fähigkeiten, Lieferanten, Kapitalbedarf und Abhängigkeiten ergänzen diese Fragen sinnvoll.