Geschäftsideen
Teil von Wie lässt sich ein kleiner Betrieb für die ersten Aufträge organisieren?
Betriebliche Kennzahlen aus eigenen Auftragsdaten berechnen
Umsatz, Deckungsbeitrag und Liquidität aus den ersten Aufträgen berechnen: Zeitraum festlegen, variable Kosten abziehen, Zahlungsmittel kontrollieren.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Der Umsatz ist Menge oder Stunden mal Preis, ohne Mehrwertsteuer. Er wird pro Zeitraum und Angebot erfasst.
- Der Deckungsbeitrag ist Umsatz minus variable Kosten. Er zeigt, wie viel ein Auftrag zur Deckung der Fixkosten beiträgt.
- Die Liquidität folgt aus tatsächlichen Ein- und Auszahlungen. Kredittilgung und Privatentnahmen sind Auszahlungen, keine variablen Kosten.
Zeitraum und Datengrundlage festlegen
Bevor Sie rechnen, legen Sie einen Zeitraum fest, zum Beispiel einen Monat oder ein Quartal. Für jeden Auftrag notieren Sie Rechnungsdatum, Leistungsbeschreibung, Menge oder Stunden, Nettoerlös und Zahlungseingang. So trennen Sie Leistungswirtschaft und Zahlungsfluss.
Der Umsatz wird für Produkte als Verkaufspreis mal abgesetzter Menge berechnet, für Dienstleistungen als Stundensatz mal abrechnungsfähige Stunden. Die IHK Stuttgart empfiehlt, bei den Absatzmengen mehrere Szenarien zu bilden: eine minimale, eine mittlere und eine maximale Variante. Das hilft bei der Einschätzung der Realisierbarkeit, wie diese Umsatzplanung zeigt.
Nutzen Sie für die Berechnung eigene Auftragsdaten, keine Branchenpauschalen. Ein Beispiel: Ein Gründungsberater erbringt im März 20 abrechenbare Stunden zu je 90 Euro netto. Der Umsatz für den Monat beträgt 1.800 Euro netto.
Umsatz und Deckungsbeitrag getrennt berechnen
Der Deckungsbeitrag ist nicht der Gewinn. Er bezeichnet den Betrag, den ein Produkt oder eine Dienstleistung zur Deckung der Fixkosten leistet. Berechnet wird er, indem Sie die variablen Kosten, die der Auftrag verursacht, vom Umsatz abziehen. Variable Kosten hängen von der Menge oder den erbrachten Stunden ab. Fixkosten bleiben dagegen gleich, egal wie viel Sie produzieren. Diese Definition und Formel stammen aus dem Existenzgründungsportal.
Für den Gründungsberater im Beispiel fallen pro Stunde 10 Euro variable Kosten für Fachliteratur und Fahrtkosten an. Bei 20 Stunden sind das 200 Euro variable Kosten. Der Deckungsbeitrag beträgt dann 1.800 Euro minus 200 Euro, also 1.600 Euro. Davon müssen noch Miete, Versicherung und andere Fixkosten gedeckt werden.
Show the numbers
| Umsatz netto | 1.8 |
|---|---|
| Variable Kosten | 200 |
| Deckungsbeitrag | 1.6 |
Liquidität mit tatsächlichen Zahlungen prüfen
Der Deckungsbeitrag sagt nichts darüber, ob Geld auf dem Konto ist. Für die Liquidität zählen nur tatsächliche Ein- und Auszahlungen im Zeitraum. Der KfW-Liquiditätsplan vom September 2025 zeigt, dass Kredittilgung und Privatentnahme eigene Auszahlungspositionen sind. Diese Beträge mindern die Liquidität, sie sind aber keine variablen Kosten eines Auftrags. Das Formular führt Einzahlungen, Auszahlungen und den kumulierten Saldo getrennt.
Beispiel Zahlungsmittelblatt für März: Anfangsbestand 500 Euro. Einzahlung aus dem Auftrag 1.800 Euro netto, ohne Umsatzsteuer, weil der Gründer Kleinunternehmer ist und seine Umsätze nach § 19 Absatz 1 UStG steuerfrei sind. Auszahlungen: 200 Euro variable Kosten, 300 Euro Miete, 150 Euro private Entnahme, 400 Euro Kredittilgung. Endbestand = 500 + 1.800 - 200 - 300 - 150 - 400 = 1.250 Euro.
Wenn die Rechnung erst im April bezahlt wird, fehlen die 1.800 Euro im März. Dann ist der Endbestand negativ, obwohl der Deckungsbeitrag positiv ist. Deshalb prüfen Sie beide Werte zusammen.
Häufige Fragen
Warum ist der Deckungsbeitrag nicht mein Gewinn?
Der Deckungsbeitrag ist bereits Umsatz minus variable Kosten und steht für die Deckung der Fixkosten wie Miete oder festes Personal zur Verfügung. Erst wenn diese Fixkosten desselben Zeitraums abgezogen sind, bleibt ein Gewinn oder Verlust übrig. Die im Beispiel errechneten 1.600 Euro müssen daher mit den Fixkosten desselben Monats verglichen werden und dürfen nicht mit dem Kassenbestand von 1.250 Euro verwechselt werden.
Muss ich Mehrwertsteuer in den Umsatz einrechnen?
Nein, für die Leistungsrechnung verwenden Sie den Nettoumsatz ohne Mehrwertsteuer. Der KfW-Liquiditätsplan erfasst dagegen Umsatzeinzahlungen einschließlich Mehrwertsteuer, weil es dort um den tatsächlichen Zahlungsfluss geht. Wer als Kleinunternehmer nach § 19 Absatz 1 UStG steuerfrei ist, stellt für diese steuerfreien Umsätze keine Umsatzsteuer in Rechnung und führt für diese Umsätze keine Umsatzsteuer an das Finanzamt ab.
Wie oft sollte ich Deckungsbeitrag und Liquidität berechnen?
Mindestens monatlich, idealerweise passend zu Ihren Rechnungs- und Zahlungszyklen. Wenn Sie viele kleine Aufträge haben, lohnt sich eine wöchentliche Sicht auf den Kontostand und die offenen Rechnungen.