Geschäftsideen
Teil von Wie entsteht ein Geschäftsplan mit nachvollziehbaren Zahlen?
Liquiditätsplan: Einzahlungen, Tilgung und private Entnahmen erfassen
So füllen Sie den KfW-Liquiditätsplan aus: Einzahlungen mit Umsatzsteuer, Kredittilgung und Privatentnahmen als echte Auszahlungen samt Beispiel.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Monatlicher und kumulierter Saldo zeigen früh, ob ein Finanzierungsbedarf entsteht.
- Eigene Reserven oder ein Kontokorrentrahmen sind Planungsannahmen; das KfW-Formular gibt hierfür keine festen Werte vor.
Einzahlungen und Auszahlungen zum richtigen Zeitpunkt erfassen
Der KfW-Liquiditätsplan (Stand 09/2025) gliedert die Zeilen in Einzahlungen und Auszahlungen. Unter 1.1 steht ausdrücklich "Umsatz (inkl. MwSt.)"; weitere Zuflüsse wie Zuschüsse gehören in Zeile 1.2. Die Summe aller Einzahlungen ergibt den Liquiditätszugang in Zeile 1.3. Der offizielle KfW-Liquiditätsplan (PDF) zeigt zudem, dass alle Beträge in TEUR eingetragen werden. Entscheidend ist der Zahlungszeitpunkt: Nur tatsächlich eingegangenes Geld zählt. Rechnungen allein sind keine Einzahlung.
Bei den Auszahlungen werden laufende Kosten, Investitionen und der Kapitaldienst getrennt aufgeführt. Kredittilgung und Zinsen sind eigene Positionen 2.5 und 2.6. Dazu kommen Vorsteuer/Umsatzsteuer, Einkommen- und Gewerbesteuer sowie die Privatentnahme. Jede Position wird nur dann erfasst, wenn das Geld tatsächlich abfließt. So bleibt der Plan ein reales Zahlungsbild statt einer Gewinnrechnung.
Tilgung und Privatentnahmen im Formular zuordnen
Im KfW-Formular stehen Kredittilgung und Zinsen unter den Auszahlungen. Tragen Sie diese Beträge vollständig ein, damit Ihr Plan realistisch bleibt. Privatentnahmen gehören in Zeile 2.9 und sind ebenfalls echte Liquiditätsabflüsse. Die IHK Frankfurt betont, dass die Liquiditätsreserve auch den privaten Lebensunterhalt des Gründers abdecken muss. Die IHK erläutert die Liquiditätsplanung für Gründer. Wer Tilgung oder Privatentnahme weglässt, überschätzt den verfügbaren Saldo und erkennt Engpässe zu spät.
Monats- und kumulierte Salden an einem Beispiel berechnen
Ein klar hypothetisches Zweimonatsbeispiel zeigt die Übertragung in TEUR. Monat 1 beginnt mit einer separaten verfügbaren Reserve von 20 TEUR. Einzahlungen betragen 35 TEUR, Auszahlungen 50 TEUR, davon 5 TEUR Kredittilgung und 3 TEUR Privatentnahme. Der Monatssaldo ist -15 TEUR, der kumulierte Saldo der laufenden Monatsflüsse -15 TEUR. Die verfügbare Liquidität einschließlich Reserve beträgt 20 - 15 = 5 TEUR.
| Position | Monat 1 (TEUR) | Monat 2 (TEUR) |
|---|---|---|
| Anfangsbestand (einschließlich Reserve) | 20 | 5 |
| Einzahlungen | 35 | 40 |
| Auszahlungen | 50 | 48 |
| Monatssaldo | -15 | -8 |
| Kumulierter Saldo der Monatsflüsse | -15 | -23 |
| Verfügbare Liquidität (Reserve plus kumulierter Saldo) | 5 | -3 |
Monat 2 zeigt eine verfügbare Liquidität von -3 TEUR. Die Ursache lässt sich nicht direkt in Zeile 4 ablesen; sie liegt in den Einzelpositionen der Zu- und Abflüsse. Für die eigene Planung kann die IHK-Übersicht als zusätzliche Kontrolle dienen: Sie listet vergleichbare Positionen wie Kapitaldienst, Steuern und Privatentnahmen auf und prüft, ob das Geld zum jeweiligen Zeitpunkt verfügbar ist.
Aus dem Zahlungsplan den eigenen Finanzierungsbedarf ableiten
Der verfügbare Saldo einschließlich Reserve deckt auf, wann zusätzliche Mittel nötig werden. Die IHK empfiehlt, Reserven aus früheren Monaten oder einen Kreditrahmen einzuplanen, damit die Zahlungsbereitschaft jederzeit erhalten bleibt. Ein Puffer von 20 TEUR ist eine frei gewählte Planungsannahme, keine gesetzliche Vorgabe. Im Beispiel liegt die verfügbare Liquidität nach Monat 1 bei 5 TEUR, daher fehlen 15 TEUR zum angestrebten Puffer.
Steuernachzahlungen und angepasste Vorauszahlungen können später zusätzlich belasten. Deshalb lohnt es, den Liquiditätsplan über zwölf Monate hinaus fortzuschreiben und Tilgungstermine einzeln einzutragen. Die IHK betont, dass die Liquiditätsplanung wichtig für Kreditverhandlungen mit Banken ist; ein nachvollziehbarer Plan zeigt, ob die geplante Finanzierung tatsächlich reicht und ob Reserven oder ein Kontokorrentrahmen realistisch bemessen sind.
Häufige Fragen
Muss der Umsatz wirklich brutto eingetragen werden?
Ja, das KfW-Formular nennt die Zeile ausdrücklich "Umsatz (inkl. MwSt.)". Die später fällige Umsatzsteuer wird separat in Zeile 2.7 als Auszahlung geplant.
Reduzieren Tilgung und Privatentnahme den Liquiditätssaldo?
Ja, beides sind Auszahlungen und mindern die verfügbare Liquidität. Der verfügbare Saldo einschließlich Reserve zeigt, ob die Mittel für den gesamten Planungszeitraum ausreichen.
Wie erkenne ich einen Finanzierungsbedarf rechtzeitig?
Sobald der verfügbare Saldo einschließlich Reserve negativ wird, müssen Sie handeln: Finanzierung planen oder Zahlungszeitpunkte und Kosten anpassen. Der Plan macht diesen Zeitpunkt sichtbar.